Inklusives SGB VIII: Gute Absicht, aber deutlicher Nachbesserungsbedarf

In einer Pressemitteilung zum Referentenentwurf eines Ersten Gesetzes zur Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe fordert der DBR Nachbesserungen und Dialog auf Augenhöhe.

29.04.2026 - Der Deutsche Behindertenrat (DBR) begrüßt grundsätzlich die Bestrebungen der Bundesregierung, eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe zu schaffen. "Es ist ein wichtiger und längst überfälliger Schritt, dass das Jugendamt künftig für alle Kinder und Jugendlichen die zentrale Anlaufstelle und damit auch für die Eingliederungshilfe für alle Kinder und Jugendliche zuständig wird", erklärt Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sprecherinnenrates des DBR.

Gleichzeitig sieht der Deutsche Behindertenrat den aktuellen Referentenentwurf des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) mit großer Sorge. Kritisch bewertet der DBR insbesondere die Abkehr von individuellen Rechtsansprüchen unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus und der Effizienzsteigerung. Aus Sicht des DBR "darf Inklusion nicht zur Sparmaßnahme werden. Wenn individuelle Unterstützungsbedarfe pauschalisiert oder zusammengelegt werden, besteht die reale Gefahr, dass die tatsächlichen Bedarfe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden", so Engelmeier weiter.

Im Rückblick auf den Austausch am 27. April im BMBFSFJ, zu dem zahlreiche Verbände eingeladen worden waren, betont der DBR die Notwendigkeit eines echten Dialogs auf Augenhöhe. Die Behindertenverbände erwarten künftig echte Berücksichtigung ihrer fachlichen Einwände, keine nachträglichen Erläuterungen bereits getroffener Entscheidungen.

Der Deutsche Behindertenrat fordert daher eine grundlegende Überarbeitung des Referentenentwurfs. Ziel muss ein inklusives SGB VIII sein, das individuelle Rechtsansprüche stärkt, Teilhabe konsequent sichert und den Bedarfe von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen tatsächlich gerecht wird.

Die Pressemitteilung in barrierefreier Form zum Download:

 Pressemitteilung vom 29. April 2026 (98 KB)
Pressemitteilung des Deutschen Behindertenrates zur inklusiven Kinder- und Jugendhilfe


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